Lehren und Lernen

Schillers Tell aus Ein-Mann-Perspektive

Wie Ekkehart Voigt nun schon zum vierten Mal das Drama der Tell-Legende auf die Bühne bringt

Von Maximilian Köhler (Klasse 8c)

Die Schüler der achten Klassenstufe des Stiftsgymnasiums drängen sich vor dem VHS-Saal. Angespannte Erwartung liegt in der Luft. Seit Wochen lesen diese Jugendlichen einen Klassiker der deutschen Literatur: Schillers „Wilhelm Tell“. Das Drama ist kein einfaches Stück, die Monologe lang und für uns heute fast schon unverständlich, die Ausdrucksweise antiquiert. Und doch soll ihnen diese Lektüre, in Form eines Theaterstücks, heute nähergebracht werden. Gerüchte machen die Runde, angeblich soll es nur einen Schauspieler geben. Als sich die Türen des Saales endlich öffnen und die Achtklässler auf den Stühlen platzgenommen haben, tritt Ekkehart Voigt auf die Bühne. Der Theaterschauspieler führt nun schon zum vierten Mal Schillers letztes Bühnenwerk am Stiftsgymnasium auf. Und das tatsächlich allein. Aus der Sicht von Walter Tell, Wilhelm Tells Sohn, schildert er die Legende der Schweizer Freiheit, und schafft es dabei zu begeistern und mitfiebern zu lassen.

Und dass Ekkehart Voigt allein auf der Bühne steht, scheint manchmal vergessen zu sein. Mit jedem Wechsel der Kopfdeckung schlüpft Voigt in die nächste Rolle. Immer wieder bindet der Darsteller das Publikum in sein Spiel ein, etwa beim gemeinsamen Schwören des Rütli-Schwurs, und so schafft er ein packendes Erlebnis. „Das war wirklich besser als gedacht. Vor allem wirkten die verschiedenen Personen so realistisch!“, hört man es nach der Aufführung aus den Reihen des Publikums. Denn bei seinen Theaterstücken arbeitet Voigt, wie der Schauspieler selbst sagt, mit echten Gefühlen, was manchmal eben auch erfordert, wie ein richtiger Fährmann auf die Bühne zu spucken oder als Wilhelm Tell platte Alltagsweisheiten wie „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ von sich zu geben.