Unser Miteinander

„Das Stifts: Ohne Rassismus – mit Courage“

Schülerinnen und Schüler des Stiftsgymnasiums organisieren einen Themenabend  über Rassismus und Courage.

Von Deniz Tekin

„An unserer Schule ist kein Platz für Rassismus“ – darüber waren sich Şebnem Aydın, Sophie Geier, Maximilian Ullrich und Linda Wehrstein einig und starteten bereits im letzten Schuljahr das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Sindelfinger Stiftsgymnasium. In diesem Rahmen und „um das Thema im Schulalltag präsent zu halten“ organisierten sie vor den Weihnachtsferien einen Diskussionsabend mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Schule und den Referenten Stephan Reichstein von „Schule ohne Rassismus“ und Önder Ünal vom „Violence Prevention Network“.

Die vier Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse konstatierten schon im Vorfeld des Abends: „Rassismus ist ein Problem, welches jeden Menschen betrifft, denn es steht einem friedlichen Miteinander im Weg. Gerade aus aktueller politischer Sicht ist es umso wichtiger, tolerantes und respektvolles Miteinander zu fördern und darauf aufmerksam zu machen, dass Rassismus nicht in eine weltoffene, soziale Gesellschaft gehört.“ Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Abgrenzung des Rassismusbegriffes  und der Frage, „wo Courage gefragt“  ist.

Die Komplexität des Themas machte ein Lehrer des Stifts, dessen Eltern aus der Türkei nach Deutschland zugewandert waren,  bereits in seiner Begrüßungsrede deutlich, indem er eigene Erfahrungen mit Rassismus sowohl in Deutschland als auch in der Türkei schilderte. Die anschließende Aufführung der Theater-AG von Petra Kühnel konkretisierte dies anhand von Situationen aus dem Schulalltag und leitete zur Podiumsdiskussion über, an der neben den beiden Referenten  auch Lehrer und Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Mit konkreten Beispielen versuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Runde die Grenze zwischen Rassismus und Hypersensibilität aufzuzeigen. So wurden neben zensierten Kinderbüchern auch Palmers Facebook-Post, in welchem der Oberbürgermeister Tübingens das Wort „Mohrenkopf“ verwendete und deshalb für 24 Stunden in dem sozialen Netzwerk gesperrt wurde, thematisiert.  Für Schmunzeln sorgte Herr Scherf: Als in einer 5. Klasse langwierig darüber diskutiert wurde, wie ein dunkelhäutiger Mitschüler genannt werden solle, entgegnete dieser verdutzt, dass man ihn einfach Alexander nennen könne. 

Auf eine eindeutige Definition konnte sich die Runde nicht einigen. Bei Begriffen wie Schoko-Bär hinge es, so Stephan Reichstein, davon ab, ob der Betroffene es als Beleidigung empfinde oder nicht. Önder Ünal appellierte an das Publikum: „Nehmt Individuen als Individuen wahr und nicht als Mitglieder einer bestimmten Gruppe.“  

Nach der Pause, in er die 12. Klasse des Stiftsgymnasiums die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Abends mit multikulturellen Köstlichkeiten versorgte, stellte Önder Ünal von „Violence Prevention Network“ zum Beginn der zweiten Hälfte der Veranstaltung die Arbeit der Beratungsstelle vor, der es um die Prävention und Deradikalisierung extremistisch motivierter Gewalttäter geht. Den Fokus legte Ünal dabei auf islamistisch gefährdete Jugendliche, die insbesondere durch persönliche Gespräche und das Hinterfragen extremistischer Ideologieelemente zur Umkehr von Radikalisierungsprozessen bewegt werden sollen.       

Zum Abschluss betonten die beteiligten Personen, dass man Rassismus mit Vielfalt begegnen könne, zudem sei Vielfalt eine Bereicherung sowohl für die Schule als auch den Unterricht. Auch nach Ende des offiziellen Teils war der Gesprächsbedarf bei vielen noch groß.

 Şebnem, Sophie, Maximilian und Linda zeigten sich nach Veranstaltung sichtlich erfreut – vor allem über die Teilnehmerzahl und die rege Diskussion, an der sich das Publikum ebenfalls beteiligte, aber auch „über den reibungslosen Ablauf“, so Şebnem.

Gefördert wurde der Themenabend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

Zum Bericht der Kreiszeitung vom 10. Dezember 2016