AG - Arbeitsgemeinschaften, Kultur

Mädchen-WG statt sieben Zwerge

Märchen sind eigentlich nicht für die Bühne gedacht. Und die gängigen Märchen kennt jeder, Vieles passt auch nicht mehr in die Zeit. Warum bringt dann die Oberstufen-Theater-AG des Stiftsgymnasiums dennoch ein Märchen auf die Bühne?

Hauptsächlich weil Theater-Lehrerin Petra Kühnel mit Christof Stückelbergers „Schneewittchens Karriere“ eine kurzweilige Mixtur gefunden hat, die den Zuschauer unterhält und die Schauspieler motivierend fordert. Denn das Ensemble hat sich nach dem letzten Abitur praktisch runderneuert. Runderneuert hat auch der Autor die Handlung. Die Erzählerfigur Manu Grimm (überzeugend: Endrit Syla) ist ein Urururururenkel der Gebrüder Grimm. Und der liest nicht nur aus den Märchen seiner Vorfahren vor, sondern greift irgendwann auch selbst in die Handlung ein. Denn den Lockungen des schönen Schneewittchens (Saranyah Maué) kann er nicht widerstehen. Die böse Stiefmutter (Loretta Triani mit überzeugender Eifersucht) befragt nicht nur den Spiegel (Erleta Deskaj) nach der Schönsten im ganzen Land, sondern will vor allem die Anzahl der Facebook-Fans und der Twitter-Follower wissen. Da ist dann auch nicht verwunderlich, dass Schneewittchen nicht bei den sieben Zwergen wohnt. Es zieht stattdessen in die Mädchen-WG von Claire und Meral ein (Elena Schenkelberger und Lena Andres).

Die unverzichtbaren Märchenbösewichte kommen mit den modernen Zeiten weniger gut zurecht und suchen Erholung in der Selbsthilfegruppe von Guru Aida (Franziska Vöhringer total entspannt). Dort finden die böse Stiefmutter, der böse Wolf (Yannis Winter) und natürlich die ebenso böse Hexe (Eliana Elshani) Entspannung und Erholung. Das Stück endet nicht ohne die Auftritten des gestiefelten Katers (Flavius König an Shrek orientiert), des Prinzen Charming (Cameo-Auftritt des Lehrers Gerhard Hörbe) und der Talk-Show-Gastgeberin Miranda (Sabrina Weber mit TV-Dauergrinsen). Weil Schneewittchen ihre Karriere im Showbusiness einschlägt, heißt es dann am Ende: „Und wenn sie nicht als C-Promi in Vergessenheit geraten ist, tingelt sie noch heute durch TV und Medien.“

Die launig-leichte Handlung und das noch junge Ensemble unter der Regie von Petra Kühnel unterhielten ihr Publikum bestens. Die Zuschauer dankte es mit dem gebührenden Applaus.

Fotos: Maria Alba Niño