Berufliche Orientierung, Eltern, Kursstufe

Auge in Auge mit der Berufswelt

von Timo Gotsch

 

Ungewöhnlich für die Schüler des Stifts: Dieses Mal ging es am Abend in die Schule. Um Eindrücke der Berufswelt zu entnehmen, bekamen die Klassenstufen 10, 11 und 12 am 22. Januar die Möglichkeit, sich mit Referenten aus dem alltäglichen Berufsleben auszutauschen.

Die Berufswelt ist nicht nur verheißungsvoll, sie ist auch sehr groß. Zu diesem Anlass fand sich die Kursstufe des Stifts abends in der Mensa ein, um mit exklusiv eingeladenen Referenten über deren jeweiligen Berufe zu sprechen. Denn das Abitur ist bereits zum Greifen nah – und danach haben die Schüler die Qual der Wahl. Um unter den mannigfaltigen Möglichkeiten die Suche ein wenig zu erleichtern, findet im Zwei-Jahres-Rhythmus zusätzlich zu anderen Angeboten der schulinterne Berufsinfoabend statt. Dieses Jahr war es wieder so weit: an Abend des 22. Januar fanden sich die kommenden Abiturienten ein, um ein besseres Bild der Berufswelt vermittelt zu bekommen.

„Es gibt eine große Vielfalt an Berufen, die man ergreifen kann“ weiß auch Schulleiterin Nadine Kußler. Das Problem – man müsse sie nur kennen. Deswegen waren nur für diesen Abend zwölf freiwillige Interessenten an das Stiftsgymnasium gekommen, um als Referenten zu fungieren. Die Schüler konnten sich – je nach Wunsch – an das Themengebiet wenden, das sie bereits im Vorfeld im schuleigenen Intranet gewählt hatten. Dabei war das Spektrum sehr breit: mit Bauingenieurswesen, Informatik sowie Psychologie und einigen Professionen mehr wurde somit einiges abgedeckt. Sogar ein Bundespolizist stellte sich zur Verfügung, um den kommenden Schulabgängern seinen Beruf näherzubringen.

Als Rahmen waren zwei je 30-minütige Gesprächsrunden angesetzt, in denen sich die Schüler in den zuvor zugewiesenen Kleingruppen sich über den jeweiligen Beruf, Werdegang und das dafür nötige Studium informieren konnten. Diese Runden waren absichtlich sehr locker gehalten – um möglichst viel Freiraum für Fragen zu lassen. Wichtig bei dem Berufsinfoabend war aber hauptsächlich, Einsicht in Berufsfelder zu ermöglichen, die dem Alltag der Schüler eher entfernt waren. „Als Referenten haben wir deswegen keine Lehrer oder Ärzte eingeladen“, erklärt Irene Grundmann, Lehrerin am Stifts und Oberstufenberaterin. Generell gehe es mehr darum, mögliche Berufswege aufzuzeigen und einzelne Werdegänge zu veranschaulichen. Zusammen mit den anderen Angeboten, wie dem Studieninfotag, sollte es den Schülern dann leichter fallen, für sich nach dem Schulabschluss eine fundiertere Entscheidung zu treffen.

Aus ebendiesem Grund war die Veranstaltung für die 11. Klasse verpflichtend – um in dieser sehr wichtigen Frage die Schüler auch ein wenig an die Hand zu nehmen. Interessierten aus den anderen Klassen der Oberstufe stand es zudem offen, sich ebenfalls anzumelden. Trotz des dadurch großen Andrangs war dennoch für jeden etwas dabei. „Wir konnten bei nahezu jedem den Erst- sowie Zweitwunsch erfüllen“, so die Mitorganisatorin Sylvia Gogol, Mitglied im Elternbeirat.

Allerdings war an diesem Abend freilich nicht für jeden sofort der angestrebte Traumberuf mit von der Partie. Aber auch dieser Umstand sei eine Erkenntnis, die man nicht außer Acht lassen sollte. „Wenn man weiß, was man nicht machen möchte, dann kann das einem bei der Selbstfindung auch helfen“, meint Sabine Schray, ebenfalls Oberstufenberaterin und Lehrerin am Stifts.

Zusammen mit Frau Grundmann helfe sie schon seit einiger Zeit mit, um im Abstand von zwei Jahren einen gelungenen Berufsinfoabend zu gewährleisten. Einige der Referenten waren daher schon mehrmals dabei gewesen – andere wiederum hatten sich zum ersten Mal, selbstredend allesamt freiwillig, dazu bereit erklärt, den Schülern ihren eigenen Beruf näherzubringen. Besonders war dieses Mal, dass auch zwei ehemalige Schüler des Stifts anwesend waren – um aus erster Hand den Weg vom Gymnasium in einen der Berufe zu präsentieren. „Wir achten da auch auf eine gute Mischung“, so Grundmann, „aus altgedienten Vertretern und neuen Perspektiven“.

Zu guter Letzt gab es für die Schüler die Möglichkeit, per Handzettel Kritik und Verbesserungsvorschläge zum Berufsinfoabend unterbreiten zu können, während es im großzügigen Ambiente der Schulmensa Raum für direkten Austausch mit den Referenten gab. „Der Abend war für diejenigen gut, die noch wirklich überhaupt keine Vorstellung davon haben, was sie später mal machen werden“, meint eine 11-Klässlerin dazu. Allerdings spiegele er nur ein sehr grobes Gesamtbild der Berufswelt wider – und manche seien danach immer noch so schlau wie vorher.

„Man darf keine Schritt-für-Schritt-Anleitung erwarten“, so Frau Schray dazu. „Den Weg müssen die Schüler immer noch selbst gehen. Veranstaltungen wie dieser Abend können ihn lediglich ein Stück weit bereiten.“