Kultur, Wettbewerbe

Stiftsschülerin ist Hauptpreisträgerin beim Wettbewerb vom Haus der Heimat – „Nachbarn im Osten“

von Sanne Mäusling

Wettbewerbsgewinnerin Krisztina Figge widmet Hauptpreis ihrem Großvater

Oksana Kyzymchucks und Krisztina Figge. Das sind zwei starken Frauen mit einem besonderen Blick auf die Dinge.
Oksana Kyzymchuk ist eine ukrainische Künstlerin, die in der Fotografie die Brücke zum Austausch zwischen Deutschland und ihrem Heimatland findet. Auf einer langen Reise durch die Ukraine richtet sie mit ihrer Kamera den Blick zurück in die Vergangenheit und damit auch in ihre Kindheit. Wie ein Weckruf erscheinen diese entstandenen Momentaufnahmen der Stiftsschülerin Krisztina Figge. Sofort sieht sie in den Bildern von Oksana, was auch sie sucht, seit sie mit sieben Jahren zum ersten Mal eine Kamera in den Händen hielt: Die Echtheit, die Rohheit von Menschen. Auch sie möchte ihnen durch die Linse in die Seele schauen können.

In der Aufgabe des diesjährigen Wettbewerb-Aufrufs vom Haus der Heimat – Nachbarn im Osten hat Krisztina das gefunden, was sie wohl lange gesucht hat. Die 17-jährige Schülerin mit ungarischen Wurzeln folgt den Spuren von Oksana und stellt dem Foto der prominenten Künstlerin eine Situation aus dem eigenen Lebensumfeld gegenüber.
Osksana Kyzymchucks klopft auf ihrer Reise an Türen in ihrem Heimatdorf in der Ukraine, findet Menschen, die ihr freundlich die Tür öffnen, sie einlassen in ihr entbehrungsreiches, oft karges Leben und doch mit ihr singen, tanzen und sie sogar bei sich übernachten lassen. Krisztinas Augen leuchten, wenn sie davon erzählt, dass sie dieses Phänomen und die authentische Herzlichkeit auch aus Ungarn gut kennt. Die Mitbegründerin des Kulturlabors am Stiftsgymnasium fährt in den Ferien immer wieder in die ungarische Heimat, um dort die Familie, vor allen Dingen die Großeltern zu sehen. Das Portrait, das sie für den Wettbewerb einsandte, zeigt ihren ungarischen Großvater am Esstisch. Die ausdrucksstarke schwarz-weiß Fotografie lässt einen Mann erkennen, der mit vielen Dingen in seinem Leben kämpfen musste.
Für ihren Beitrag wurde sie mit einem Hauptpreis vom Haus der Heimat beim Wettbewerb Nachbarn im Osten 2021 geehrt. Krisztina ist sichtlich stolz. Sie sagt, der Preis gehöre auch ihrem Großvater. Er hat die Auszeichnung leider nicht mehr miterlebt, denn er ist vor kurzem verstorben. Dass so sein Andenken auf eine besondere Weise bewahrt wird, freut sie umso mehr.
Das Projekt ist für Krisztina aber nicht mit der Abgabe des Wettbewerbsbeitrages beendet. Es hat sie gepackt und einen Anreiz gesetzt, weiter mit der Linse auf die Suche zu gehen. Sie bleibt ihren Wurzeln treu und rückt in einer neuen Bildreihe ihre ungarische Großmutter in den Mittelpunkt. Am schönsten sei es, wenn die Menschen die Kamera vergessen und man genau diesen Moment einfangen könne, so die Schülerin.