Brandaktuelle Chemie zum Erleben: Ein Tag im TüChemLab

12. Februar 2026

Manchmal mag Chemie vielleicht altbacken wirken: Eines der wichtigsten chemischen Verfahren, das Haber-Bosch Verfahren ist über 100 Jahre alt und wurde seit Jahren nur geringfügig verändert, um ein Beispiel zu nennen. Auch die Vorwürfe und Probleme der chemischen Umweltbelastung sind nicht neu. Doch am 12.01. konnten wir als Chemie LK der J1 sehen, dass Chemie zukunftsrelevant ist, insbesondere im Thema Nachhaltigkeit.

Dazu gingen wir als Chemie LK der J1 zusammen mit unserer Lehrerin Frau Einecker nach Tübingen an die Eberhardt Karls Universität ins Schülerlabor, das „TüChemLab“. Nach einer (wie immer) spannenden Fahrt mit den Öffis inklusive einer Fahrt im „Glitzerbus“, einem Bus mit Weihnachtskugeln und Lametta kamen wir an der Uni an. Zum Einstieg lernten wir die Grundprinzipien der sogenannten Kreislaufwirtschaft kennen. Danach ging es aber schon direkt in die Praxis. An drei Stationen lernten wir verschiedene, aktuelle Forschungsthemen im Bereich der nachhaltigen Chemie kennen. Dabei konnten wir anhand drei verschiedener Experimente verschiedene Prinzipien der nachhaltigen (Kreislauf)wirtschaft kennen lernen. Von Recycying über das Nutzen neuer Materialien bis hin zur Vermeidung von Umweltverschmutzung war alles dabei.

Mithilfe von Kombucha, einem Getränk, welches aufgrund seiner Fermentation Mikroorganismen enthält, konnten wir ein alternatives Recyclingverfahren, das sogenannte „Bioleaching“ von Yttriumoxid ausprobieren. Yttrium ist eine seltene Erde und muss sehr ressourcenaufwändig gewonnen werden. Das Oxid dieser seltenen Erde ist z.B. in Leuchtstoffröhren vorhanden, um das Licht sichtbar zu machen. Daher war es umso interessanter praktisch zu sehen, dass mit einem alternativen Recyclingverfahren im Vergleich zu einem konventionellen viel Aufwand und umweltschädliche Chemikalien gespart werden können.

Auch an der zweiten Station konnten wir aktuelle Forschungsthemen sehen. Wir stellten gut recyclebare Folie aus sogenannten Nanopartikeln her, die durch Lösen in Ethanol (Alkohol) wieder gelöst und zu neuer Folie verarbeitet werden kann. Wir stellten aus einer Estherlösung und Kaliumperoxidsulfat die Partikel her, die wir anschließend durch Eindampfen zu einer Folie verarbeiten konnten, die wir dann wieder in Ethanol lösen konnten. So entsteht ein Kreislauf und die Folie kann immer wieder verwendet werden.

Die dritte Station beschäftigte sich mit Glyphosat, einer Chemikalie, die viel in Pflanzenschutzmitteln verwendet wird und umstrittene Folgen für Mensch und Umwelt haben kann. Wir mischten unser eigenes Nachweisgemisch, welches sich bei Zugabe von Glyphosat von blau nach gelb färbt. Je nach Konzentration kann man wie bei einem Indikator für den pH-Wet (sauer/alkalisch) die Konzentration des Glyphosats ablesen. Wir testeten verschiedene Pestizide und Proben von verschiedenen Orten und bestimmten die Konzentration des Gylphosats. Dabei machten wir teils überraschende Entdeckungen. Wir erfuhren, dass Glyphosat nicht nur durch landwirtschaftliche Nutzung, sondern auch durch gewisse Waschmittelreste im Abwasser (namentlich DTPNP) in Gewässer und Böden gelangen kann.

Zum Schluss sahen wir noch ein Experiment, bei dem aus einer Suspension aus Nanopartikeln und Wasser eine Art „Mozzarella“ durch Zugabe von Säure hergestellt werden konnte. Das ist genauso auch bei Milch. Milch besteht hauptsächlich aus Wasser und Fett, doch das Fett setzt sich meist nicht ab. Genauso ist es auch bei den Nanopartikeln. Daher sah die Suspension auch fast so aus wie Milch. Somit gab es zum Schluss sogar noch etwas „Alltagschemie“. 

Insgesamt war es ein sehr spannender Tag mit vielen spannenden Experimenten und wir konnten sehen, dass Chemie zukunftsrelevant und hochspannend ist.

Text: David Weiss (J1)

Bilder: Paul Welch (J1)

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