Ein Blick in die Vergangenheit – Unser Besuch im Sindelfinger Stadtmuseum

31. Juli 2025

Am Donnerstag, den 10. Juli, besuchte der J1-Geschichtskurs von Frau Berenbold im Stadtmuseum die Sonderausstellung „Vor 80 Jahren – Sindelfingen im Krieg“. Sie bildet den Auftakt der diesjährigen Biennale. Es handelte sich dabei nicht um eine klassische Ausstellung, sondern um eine Zusammenstellung eines fünfjährigen Projekts: 69 Monate lang, von September 2019 bis Mai 2025, wurden aus der Zeit des Nationalsozialismus Zeitzeugnisse und private Exponate von Sindelfinger Familien gesammelt. Zum Teil Berichte, Dokumente oder Tagebucheinträge – die einen persönlichen und oft bewegenden Einblick in das Leben während des Krieges geben.

Zu Beginn erklärte uns Herr Zecha vom Kulturamt, wie die Gleichschaltung der Medien in Sindelfingen vonstattenging: Zu Propagandazwecken wurde unter anderem auch das Sindelfinger Kino genutzt – in einer Stadt, die damals rund 8.500 Einwohner zählte.

Wir sahen ein Brettspiel, auf dem Kinder die einzelnen Etappen des siegreichen Vormarsches der deutschen Wehrmacht nachspielen konnten. Ausgestellt war eine Uniform der Hitlerjugend, in der ein Sindelfinger Lehrling an seinem ersten Arbeitstag bei seiner Lehrstelle erscheinen musste. Auch das Thema Materialknappheit wurde, am Beispiel eines Hochzeitskleids, von 1944 deutlich. Die Braut trug ein Kleid, das aus einem alten Vorhang geschneidert worden war, weil es keine Stoffe mehr gab. Dies ist ein Zeichen für den Einfallsreichtum der Sindelfinger in schweren Zeiten.

Auch Hefte mit Kochrezepten waren Teil der Ausstellung – darin wurde gezielt für die Verwendung von Ersatzstoffen geworben. Ein Versuch, die Bevölkerung trotz der zunehmend schwierigen Lebensmittelversorgung bei Laune zu halten.

Ein weiterer Aspekt war der Umgang mit den gefallenen Soldaten der Stadt. Nationalsozialistische Traueranzeigen folgten einem festen Muster: Jedem Kriegsopfer wurde ein heldenhafter Tod für „Führer und Vaterland“ zugeschrieben.

Besonders eindrucksvoll war für uns ein Tagebucheintrag von Hans Steißlinger vom Oktober 1942. Der ehemalige Schüler der „Adolf-Hitler-Schule“ auf dem Goldberg wurde 1940 mit seinen Klassenkameraden direkt nach dem Abitur an die Front geschickt. Er schrieb: „Es hängen schwarze Wolken über dem deutschen Heer […] uns geht die Luft knapp, sehr knapp“. Man spürte seine Angst und Sorgen. Er berichtete, wie bedrückend die Zeit war und dass der Krieg für ihn bereits verloren schien, er aber weiterkämpfen müsse.

Ein weiteres Thema waren die Zwangsarbeiter. Wir erfuhren, dass sie in sogenannte „Rassen“ eingeteilt und dementsprechend unterschiedlich behandelt wurden. Vor allem die Menschen, die aus der Sowjetunion verschleppt worden waren, litten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Nach ihrer Rückkehr in die Sowjetunion drohte ihnen oft Lagerhaft, da man sie der Kollaboration mit den Deutschen bezichtigte.

Zu sehen war auch Holzspielzeug, das Fremdarbeiter für Kinder gebastelt hatten. In einer Vitrine sieht man einen Pferdewagen. Dieser war wohl aus Dankbarkeit für eine zusätzliche Brotration für eine Frau aus Sindelfingen bestimmt. Ein Beweis, dass es selbst in Kriegszeiten zu berührenden zwischenmenschlichen Erfahrungen kam.

Da bei Daimler-Benz Rüstungsgüter – Flugzeug- und Raketenteile für die „V2-Wunderwaffe“– hergestellt wurden, war mit Luftangriffen der Alliierten zu rechnen. Als das Werk ab Sommer 1944 dann bombardiert wurde, hatte das Unternehmen seine Produktionsanlagen in weiser Voraussicht ausgelagert. Auch die Maschinen, die nach dem Krieg für die weitere Fertigung einsetzt wurden, waren rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. So trafen die Luftangriffe leere Werkshallen. Das erklärt auch, warum die Produktion nach dem Krieg wieder schnell anlief.

Abgesehen von Schäden am Marktplatz, in der unteren Vorstadt und in der Ziegelstraße kam Sindelfingen bei den Fliegerangriffen relativ glimpflich davon. Nicht zuletzt durch den Bau von Luftschutzstollen zu Beginn des Jahres 1944.

Macht euch am besten selbst ein Bild von den eindrücklichen Objekten. Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Januar 2026 geöffnet. Wir möchten sie euch weiterempfehlen,

Sonderausstellung des Stadtmuseums: „Vor 80 Jahren – Sindelfingen im Krieg“ | Stadt Sindelfingen

Text und Bilder: Alexandra Anderl (J1)

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