Nachdem ich 2025 bereits zum zweiten Mal Deutscher Jugend-Sudokumeister wurde, wurde mir die Möglichkeit geboten, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Zwar hatte ich schon zwei Jahre vorher, bei meinem ersten Sieg die Chance in Toronto gehabt, allerdings liegt es ja in Kanada und das war für mich doch sehr weit entfernt. Dagegen liegt Ungarn keine zwei Stunden mit dem Flugzeug entfernt, also habe ich diesmal die Einladung angenommen.
Kurze Info zum Namen des Events: Die WSPC kombiniert zwei Weltmeisterschaften in einem anderthalb Wochen langen Event: die World Sudoku Championship (WSC) und die World Puzzle Championship (WPC). Zum Schluss können Rätselfans, die nicht genug bekommen haben, am 24-Stunden Rätselmarathon (24HPC) teilnehmen. Ich berichte jetzt nur von der WSC, bei der ich vier Tage in Eger verbracht habe.
Im Juni begann das Organisatorische: Wie jedes teilnehmende Land stellte der Verein Logic Masters Deutschland e.V. eine Delegation zusammen, die aus Viererteams bestand. Wer bei den Deutschen Meisterschaften (eins für Sudokus und eins für Logikrätsel allgemein) besonders gut abschnitt, der konnte entsprechend in das A-, B- oder C-Team – natürlich kann es auch mehr Teams geben. Dieses Jahr zum Beispiel gab es fünf deutsche Teams für die WSC und sechs Teams für die WPC. Ich war Teil des deutschen C-Teams, die aber aufgrund meiner Staatsangehörigkeit als UN-Team berücksichtigt wurde.
Am Sonntag, dem 21. September, stieg ich in den Flieger nach Budapest und wurde am Flughafen gemeinsam mit anderen Teilnehmern und Gästen zum Hotel gebracht. Ich hatte dabei die große Ehre, den Rätseleditor der New York Times, Will Shortz am Flughafen zu treffen. Er rief die erste WPC 1992 ins Leben und machte schon immer Kreuzworträtsel, sogar für die New York Times und die amerikanische Kreuzworträtselmeisterschaft. Später kamen natürlich Sudokus auch dazu, 2006 fand die erste WSPC statt.
Sobald wir nach einer einstündigen Fahrt vom Flughafen per Shuttle-Bus am Hotel Eger & Park ankamen, gab es die Möglichkeit, Gruppenfotos mit der eigenen Delegation zu machen – normale und lustige mit Masken.

Danach ließen wir es uns mit einem tollen Abendessen gutgehen, bevor die Weltmeisterschaften begannen.

Am ersten Tag ging es richtig zur Sache: Den ganzen Tag lang durften wir neun Runden Sudokus lösen, mit Mittagessen und Kaffeepause dazwischen natürlich. Es gab die verschiedensten Varianten, auch viele, die ich kaum jemals gesehen hatte. Es wundert mich jedes Mal aufs Neue, wie man auf solche Ideen für neue Varianten kommen kann!
Meine Lieblingsrunde des Tages war auch eine krasse Neuheit: Fünf 9×9-Sudokus waren zu lösen, allerdings mit einem Twist: Je zwei Sudokus teilten sich ein gemeinsames 3×3-Gebiet, jedes Sudoku hatte drei solche „Partner“, es durfte aber nur sieben solche gemeinsamen Gebiete geben. Als Inspiration für diese „Spot One!“-Sudokus nahm man sich wohl das bekannte Schnelligkeitsspiel „Dobble/Spot It!“.
Nach den Rätselrunden und dem Abendessen gab es immer etwas Programm, an dem Tag gab es ein Geographie-Quiz von Will Shortz, bei der man beweisen musste, wie gut man Länder- und Städtenamen auf der ganzen Welt kannte, und ein Pop-Rock-Musikquiz. Nebenbei haben einige Leute Rätselhefte mit verschiedenen Varianten verkauft, also haben viele zugegriffen, auch ich.
Der zweite Tag verlief fast wie der erste: Es gab zwar nur fünf Runden, die aber um einiges länger waren als gestern. Hier fand ich wieder eine neue Runde am coolsten: Es mussten vier Sudokus gelöst werden, die unterschiedlich groß waren und eine Art Pyramide bilden sollen. Warum? Ein kleineres Sudoku liefert Hinweise für das nächstgrößere: Die Position einer Zahl im ersten (z.B. obere linke Ecke) verrät, wo diese Zahl im zweiten hingehört, nämlich in einem Feld eines 2×2-Bereichs, auf die diese Zahl draufliegen würde, wenn das kleine Sudoku auf das größere liegt (in diesem Beispiel also ein 2×2-Bereich in der oberen linken Ecke).
Der Programmteil für diesen Tag war dafür länger, angefangen mit einer Überraschung: Es wurde ein Online-Sudoku-Battle veranstaltet, bei der zwei Menschen dasselbe Sudoku lösen und versuchen, die Felder schneller auszufüllen als ihr Gegner. Für eine richtige Zahl gibt es ein Punkt, für falsche sogar Abzug. Wer also mehr Zahlen und weniger Fehler hat, kriegt mehr Punkte und gewinnt. Es nahmen 100 Spieler teil, darunter auch ich. Es gab im Turnier für einen Sieg 1000 Punkte, für ein Unentschieden je 500. Zum Schluss gab es für die Top 16 eine Playoff-Runde, für die ich mich aber leider nicht qualifizieren konnte. Trotzdem hatte ich beim Lösen Spaß, unabhängig von der Schwierigkeit.

Am dritten Tag stand ein Gesamtgruppenfoto aller Teilnehmenden und Gäste an, gefolgt von Exkursionen rund um Eger. Ich hatte mich für die Stadttour entschieden. Uns wurden verschiedene wichtige Gebäude, Denkmäler und Skulpturen gezeigt, die die Geschichte der Stadt eindrucksvoll darstellten. Das Highlight war die Burg Egers, auf der wir eine kleine mittelalterliche Waffenshow erleben durften.



Am Abend gab es nach dem – wie immer superleckeren – Abendessen die WSC-Preisverleihung mit Livemusik. Es gab eine Einzel- und Teamwertung, aber auch eine U18-, Ü50-, Rookie- und eine Länder-Wertung. Man hatte also viele Möglichkeiten, irgendwie eine Top 3-Position mit nach Hause nehmen zu dürfen. Aber in der Sudoku-Szene waren die chinesische Delegation schon seit einigen Jahren total dominant. Es überraschte also kaum jemanden, dass sie sehr oft auf dem Podest zu sehen waren.
Zwischendurch trat ein Zauberkünstler auf und hatte lustige Tricks mit einem Kartendeck vorgeführt: Er wollte die von einem Freiwilligen gewählte Karte mit den verschiedensten Sinnesorganen finden, mit der Nase, der Haut oder sogar dem Mund. Ja, er hatte alle Karten abgeschmeckt und dann dadurch die richtige Karte aufgespürt!

Der zweite Teil der Preisverleihung war schon deutlich witziger und kam als zweite Überraschung des Tages: Man hatte in vielen weiteren, teilweise superkreativen Kategorien Preise vergeben. Eines der deutschen Teams schaffte es sogar, einen Preis dafür zu bekommen, dass alle vier Teilnehmer den geringsten Unterschied in ihren Punktzahlen hatten von allen anderen Teams.

Apropos Punkte: Ich hatte natürlich nicht damit gerechnet, irgendwo unter den Top 100 von etwa 260 Teilnehmern zu landen: Vor allem der Schwierigkeitsgrad und die Anforderungen, um alle Sudokus zu lösen, sind noch sehr hoch für mich. Immerhin landete ich auf Platz 211 von 252, in der U18-Kategorie Platz 9 von 13, in der Newcomer-Kategorie Platz 39 von 54! Mal sehen, wie es beim nächsten Mal laufen wird…
Wenn ihr mehr zum WSPC erfahren wollt, findet ihr unter https://www.wspc2025.hu/ alles zum Ablauf und den vollständigen Ergebnissen.
An dieser Stelle möchte ich mich beim Verein Logic Masters Deutschland e.V. herzlich bedanken, dass sie mir bereits als Jugendlicher die Chance gegeben haben, mich mit den besten Sudokuspieler*innen der Welt messen zu können. Und wer weiß, in den nächsten Jahren wird es bestimmt deutlich besser laufen.
Text: WSPC, Sahith Malepati (J2)
Bilder: WSPC, Sahith Malepati (J2)
