Informatik ist nur etwas für Jungen? – Das sehen die über 200 Teilnehmerinnen der EGOI (European Girls’ Olympiad in Informatics) anders. Die EGOI ist ein Wettbewerb der eindeutig das Gegenteil beweist und Schülerinnen aus Europa und der ganzen Welt zeigen soll, dass sie mit ihrer Begeisterung für Informatik nicht alleine sind. Aus über 50 Ländern sind jeweils vier Mädchen zu diesem besonderen Event angereist. Neben den europäischen Ländern sind inzwischen auch viele Gastländer von anderen Kontinenten dabei. Das sorgt dafür, dass die EGOI nicht nur ein Wettbewerb ist, sondern ein Ort, um Gleichgesinnte zu treffen und internationale Freundschaften zu schließen. Dieses Jahr wurde die EGOI von Deutschland ausgerichtet und fand vom 14. bis zum 20. Juli in Bonn statt. Als Gastgeber durfte Deutschland acht Teilnehmerinnen stellen und ich konnte mich über das Auswahlverfahren für einen der Plätze qualifizieren.
Wie jedes Jahr begann die EGOI mit einem Übungswettbewerb, damit sich alle mit der Technik vertraut machen und Probleme vor dem eigentlichen Wettbewerb behoben werden können. Danach fand eine Führung an der Uni Bonn statt und anschließend wurde die EGOI offiziell im Rahmen der Opening Ceremony eröffnet. Mein Lieblingsteil der Veranstaltung ist, wenn alle Länder begrüßt werden. Hier wurde mir wieder bewusst, was für ein unglaublicher Wettbewerb die EGOI ist und dass Mädchen aus der ganzen Welt gekommen sind, um daran teilzunehmen.
Am nächsten Tag stand auch schon der erste von zwei Contests an. Die Anspannung vor dem Wettbewerb im Telekom Forum war regelrecht greifbar, aber sobald es los ging, habe ich alles andere um mich herum vergessen und mich voll auf die vier Aufgaben konzentriert, von denen ich in fünf Stunden möglichst viele Teilaufgaben lösen sollte. Für das deutsche Team lief der Tag ziemlich gut und sieben von uns befanden sich in den Medaillenrängen, für die man zu den besten 50% der Teilnehmerinnen gehören musste. Ich selbst hatte den besten Bronzerang erreicht, sodass Silber in Reichweite war.

Am zweiten Tag durften wir die Deutsche Telekom besuchen, die einer der wichtigsten Sponsoren der diesjährigen EGOI war. Wir wurden in viele kleinere internationale Gruppen aufgeteilt und haben Workshops zu den unterschiedlichsten Themen, wie zum Beispiel Energieeffizienz oder Cybersecurity gemacht. Am Abend wurde das deutsche Team von unserem Sponsor QuantCo eingeladen. Bei leckerem Essen und spannenden Gesprächen, konnten wir uns hervorragend von der Nervosität des anstehenden Contests ablenken.
Der zweite Contest lief im deutschen Team sehr unterschiedlich, sodass sich auch in den Platzierungen nochmal einiges geändert hat. Während einige von uns sich ein paar Plätze nach oben gekämpft haben, waren andere etwas frustriert und sind abgerutscht. Am Ende konnten wir uns über ein sehr gutes Gesamtergebnis freuen: eine Goldmedaille, drei Silbermedaillen und drei Bronzemedaillen. Für mich hat es leider nicht mehr für Silber gereicht, aber auch die Bronzemedaille ist ein riesiger Erfolg.

Nach den anstrengenden Wettbewerben stand am letzten Tag der EGOI noch die Exkursion an, die uns zur Burg Drachenfels in der Nähe von Bonn geführt hat. Wir haben die wunderbare Aussicht genossen und uns das beeindruckende Schloss angeschaut bevor es mit einem Schiff auf dem Rhein zurück zur Jugendherberge ging. Nach einer kurzen Pause begann auch schon die Closing Ceremony, bei der die Medaillen überreicht und die EGOI offiziell beendet wurde. Bevor es am nächsten Tag wieder nach Hause ging, haben wir den Wettbewerb noch mit Karaoke, Spielen und einer Nachtwanderung ausklingen lassen.
Die EGOI ist ein unvergessliches Erlebnis und ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, daran teilzunehmen. Ich habe wieder unglaublich tolle Erfahrungen gemacht und nette Menschen kennengelernt. Nächstes Jahr findet die EGOI in Italien statt und ich hoffe, auch dann wieder dabei sein zu dürfen.
Text und Bilder: Martha Krebbel (J1) und Bwinf
