Nach dem Musical-Debüt Ocean World vor zwei Jahren brachte das Stiftsgymnasium mit „One Sun, One World“ erneut ein eindrucksvolles Öko-Musical auf die Bühne des Bürgerhauses Maichingen. Für das frisch als Kulturschule Baden-Württemberg ausgezeichnete Gymnasium wurde das Projekt zugleich zu einem sichtbaren Zeichen seines kulturellen Profils.
„Just one world for you and me“ – es gibt nur eine Welt für dich und mich, für alle Tiere und Pflanzen. Mit diesem eindrucksvollen Schlussvers endet die diesjährige Musicalproduktion des Stiftsgymnasiums. Während Chor, Solist*innen im großen Finale gemeinsam die letzten Töne erklingen lassen, liegt eine besondere Stimmung im Saal des Bürgerhauses in Maichingen: Freude, Begeisterung und die Botschaft des Abends werden noch einmal unmittelbar spürbar. Die Welt ist kein Besitz des Menschen, sondern gemeinsamer Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen.






Mit dem Musical „One Sun, One World“ von Peter Rose und Anne Conlon knüpfte das Stiftsgymnasium gemeinsam mit der Sindelfinger Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT) an den großen Erfolg von „Ocean World“ an. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Hans-Jakob Zimmer und Selina Janetschek sowie der Regie von Jenny Del Latte entstand ein Gemeinschaftsprojekt mit rund 250 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne, das in drei ausverkauften Vorstellungen mehr als 1.000 Besucher*innen begeisterte.
Dass das Musical weit über die Bühne hinauswirkte, zeigte sich bereits im Foyer. Dort hatte die Stifts-for-Future-AG eine begleitende Ausstellung gestaltet, die vor den Aufführungen und in der Pause zahlreiche Besucher*innen anzog. Sie griff die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Verantwortung auf und machte die Botschaft des Musicals auch außerhalb des Zuschauerraums erlebbar.



Zum Gesamterlebnis gehörte auch eine eigens gestaltete Musical-Schokolade. Sie entstand in Kooperation mit dem Chocolatier Kevin Kugel und trug das von Jan Hämmerling und Jonas Ringler entworfene Plakatmotiv.
Zur Premiere durfte das Stiftsgymnasium außerdem Oberbürgermeister Markus Kleemann begrüßen, der die Größe des Projekts und die Leistung der Schüler*innen würdigte. Auch Kulturamtsleiter Markus Nau und Maria Wunder, Leiterin der SMTT, ließen sich die Dernière nicht entgehen und unterstrichen damit die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Musikschule und Stadt.


Wie bereits „Ocean World“ vermittelt auch „One Sun, One World“ eine klare ökologische Botschaft – allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. In einer Zeit, in der der Fortschritt häufig zulasten von Natur und Artenvielfalt geht, lädt das Musical dazu ein, den eigenen Blick auf die Welt zu hinterfragen und Verantwortung für den gemeinsamen Lebensraum zu übernehmen. Zerstörte Lebensräume und das Artensterben bilden dabei den Hintergrund einer Geschichte, die vor allem eines vermittelt: Niemand ist machtlos – jede und jeder kann einen Beitrag leisten.






Erzählt wird die Geschichte unserer Erde – von ihren Anfängen über die Kräfte von Sonne, Wasser und Wind bis hin zur Frage, wie wir künftig mit unserem Planeten umgehen wollen. Zwischen den musikalischen Nummern verbinden erzählende Texte die einzelnen Stationen der Geschichte und führen das Publikum durch die Entwicklung unserer Welt. Ein alter Eichenbaum erklärt die Kräfte der Natur. Panda, Eisbär und Tiger sprechen stellvertretend für die Tierwelt, ein Kakaobaum erzählt von Handel und Globalisierung, und selbst eine Ratte wirft ihren ganz eigenen Blick auf das menschliche Leben.








Transportiert wird diese Botschaft durch eingängige Chorstücke, berührende Soli und erzählende Texte zwischen den musikalischen Nummern. Atmosphärisch dichte Momente wechseln sich mit kraftvollen, mitreißenden Stücken ab und verleihen dem Musical seine besondere Dynamik. Eingerahmt wird die Aufführung von zwei Chorstücken mit demselben einprägsamen Refrain, der sich wie ein roter Faden durch den Abend zieht.
Ein besonderer Höhepunkt ist das Schlusslied „We Share a Wonderful World“. Während Chor und Orchester die Melodie anstimmen, verwandelt sich das Bürgerhaus in ein Lichtermeer: Auf Einladung der Darstellenden schwenkt das Publikum die eingeschalteten Taschenlampen seiner Mobiltelefone im Takt der Musik. Für einen Moment verschwimmen Bühne und Zuschauerraum zu einem gemeinsamen Bild – ein eindrucksvoller Abschluss, der die Botschaft des Musicals noch einmal auf besondere Weise sichtbar macht.
Hinter den drei Aufführungen liegt mehr als ein Jahr intensiver Vorbereitung. Chorstücke wurden einstudiert, Texte übersetzt, Choreografien entwickelt und unzählige Proben absolviert. Aus vielen einzelnen Ideen, Beiträgen und Arbeitsstunden entstand Schritt für Schritt ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Die Solist*innen wurden dabei von Selina Janetschek und Hans-Jakob Zimmer individuell begleitet und gecoacht. Den Feinschliff erhielt das Musical schließlich während eines mehrtägigen Probenaufenthalts auf Schloss Kapfenburg sowie weiterer gemeinsamer Probentage. Dort wuchsen die unterschiedlichen Ensembles zu einem großen Ganzen zusammen – eine Entwicklung, die auf der Bühne in jeder Szene spürbar wurde.
Neben dem StiftsChor, UnterstufenChor, ElfenChor, der Big Band, dem Orchester und zahlreichen weiteren Mitwirkenden engagierten sich viele Arbeitsgemeinschaften – darunter die Theater-AG unter Leitung von Jenny Del Latte und Malin Jacob, die Zirkus-AG unter Leitung von Iris Cornelsen, die Akrobatik-AG von Zeynep Akbayin sowie viele Schüler*innen, die auf und hinter der Bühne Verantwortung übernahmen.
Eine zentrale Rolle spielte erneut die enge Zusammenarbeit mit der Sindelfinger Schule für Musik, Theater und Tanz (SMTT). Das Streicherorchester der SMTT ergänzte unter der Leitung von Theresia Hanke das Musicalorchester des Stiftsgymnasiums und verlieh dem Gesamtklang zusätzliche Tiefe und Ausdruckskraft. Die Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen prägte das Projekt dabei nicht nur musikalisch, sondern auch organisatorisch.



An allen drei Aufführungsabenden dankte Schulleiterin Nadine Kußler den Mitwirkenden persönlich. Nach der Übergabe von Blumen und kleinen Aufmerksamkeiten an die Gesamtleitung und die verantwortlichen Lehrkräfte würdigte sie das Engagement aller Beteiligten mit den Worten: „Ich bin unglaublich stolz auf unsere Schüler*innen und auf alle, die dieses außergewöhnliche Projekt mit so viel Herzblut möglich gemacht haben.“
Nachdem schließlich die letzten Töne des Musicals an den Abenden der Aufführungen verklungen sind, bleibt mehr als nur ein gelungenes Schulmusical. „One sun, one world“ erzählt von der Schönheit des Lebens und der Welt, aber auch von der Verantwortung, die wir Menschen unserer Welt gegenüber haben. Das Musical hinterlässt die Zuschauer*innen nicht nur mit einem angenehmen Gefühl der Hoffnung und der Zuversicht, sondern auch mit einer Botschaft, die in der heutigen Zeit nicht aktueller sein könnte: Für uns gibt es nur eine Sonne und nur eine Welt, auf der wir Menschen gemeinsam mit allen Tieren und Pflanzen leben!
Auch die Sindelfinger Zeitung berichtete.
Text: Ferris Haug (J2), Sanne Mäusling
Bilder: Rankin_photo

