Zwölf Jahre Terror, über 200.000 Gefangene aus mehr als 40 Staaten und mindestens 41.500 Todesopfer: Diese unvorstellbaren Zahlen werden oft mit dem KZ Dachau verbunden. Denn genau hier spielten sich die grausamen NS-Verbrechen ab. Um diese Fakten und Zahlen, die wir im Unterricht bereits behandelt hatten, in greifbare Realität zu übersetzen, besuchte die gesamte neunte Stufe am 29. April das Konzentrationslager Dachau.
Zufällig war dieser Tag von großer historischer Bedeutung: Genau am 29. April 1945 befreiten amerikanische Soldaten die Überlebenden des Lagers und beendeten das dortigeUnrecht.
Los ging unser Tag um 8:20 Uhr am Stiftsgymnasium. Nach einer zweieinhalbstündigen Fahrt kamen wir an. Unsere Lehrer*innen wiesen uns darauf hin, uns respektvoll und ruhig zu verhalten. Kurz darauf erhielt jede Klasse einen eigenen Guide, der uns über das Gelände führte und die einzelnen Bereiche des KZ erklärte.
„Arbeit macht frei“ lautet die Inschrift, die am Eingangstor steht. Hier startete die Führung. Wir sprachen über diese Parole und uns allen wurde sofort klar: Sie diente der Täuschung und Demütigung der Gefangenen. Dies war eines der zahlreichen Beispiele für den Zynismus und die Brutalität des NS-Regimes, die wir im Laufe des Tages gesehen haben.

Von dort aus liefen wir zum Appellplatz. Dabei handelt es sich um den zentralen Platz auf dem Häftlingsgelände, auf dem morgens und abends der Zählvorgang (Appell) der Häftlinge stattfand. Wir erfuhren, wie Häftlinge teilweise mehrere Stunden an einer Stelle stehen mussten. Die unerträglichen Schmerzen, die die Insassen erlebt haben müssen, konnten wir durch die dort herrschende bedrückende Stimmung bis zu einem gewissen Grad nachempfinden. Danach ging es weiter in das eigentliche Museum. Wir erfuhren, wie Häftlinge aufgenommen wurden und wie genau ihr Alltag im KZ aussah.
Um zu sehen, wo und wie die Insassen lebten, schauten wir uns die Baracken an. Da die eigentlichen Baracken in der Nachkriegszeit zerstört wurden, konnten wir uns „nur“ einen Nachbau anschauen. Was wir drinnen sahen, war entsetzlich: Mehrere hölzerne Stockbetten, die dicht an dicht gedrängt standen, sorgten dafür, dass man kaum Privatsphäre hatte. Über die Jahre waren die Baracken völlig überbelegt, was zu katastrophalen hygienischen Bedingungen führte. Dieser Anblick hinterließ bei der gesamten Gruppe ein Gefühl der Betroffenheit.
Der wohl bedrückendste Teil der Exkursion war die Besichtigung der sogenannten „Baracke X“. In diesem Gebäude befanden sich die Krematorien und die Gaskammer des Lagers.
Zu wissen, wie viele tausend Menschen in genau solchen Gaskammern systematisch ermordet und eingeäschert wurden, machte das unvorstellbare Ausmaß der NS-Verbrechen begreifbar.
„Nie wieder“ — diese Worte bekommen nach dem Besuch der Gedenkstätte Dachau eine noch tiefere Bedeutung. Die Exkursion zeigte uns, wie wichtig es ist, an die Verbrechen der NS-Zeit zu erinnern und die Geschichte nicht zu vergessen. Nur durch Erinnerung, Aufklärung und Verantwortung kann verhindert werden, dass sich solche Taten jemals wiederholen.
Gerade in politisch instabilen Zeiten ist es wichtiger als je zuvor, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und aus den bereits begangenen Fehlern zu lernen.
Text: Arun Anil (Klasse 9)
Bild: Irene Grundmann
