Lange Sandstrände, das Rauschen des Meeres und mittendrin eine ganze Menge Laptops, die als Arbeitsplatz für die über 200 Teilnehmerinnen der diesjährigen European Girls‘ Olympiad in Informatics dienten. Die EGOI fand dieses Jahr in Cesenatico, einem Ort an der italienischen Ostküste statt. Zwischen dem 12. und 18. Mai 2026 haben sich dort Mädchen aus 59 Ländern getroffen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und ihre Fähigkeiten während der zwei Wettbewerbstage unter Beweis zu stellen.
Die EGOI startete am Dienstag mit der Anreise. Während einige Delegationen, wie zum Beispiel die australische, viele Stunden im Flugzeug verbringen mussten, konnten wir ausschlafen und sind nach einer kurzen Zugfahrt und einem noch kürzeren Flug sicher in Bologna, einer Stadt in der Nähe von Cesenatico, angekommen. Nach dem Abendessen am Flughafen wurden wir von einem Shuttlebus zu unserer Unterkunft gebracht und nach einem kurzen Besuch am Strand sind wir erschöpft in unsere Betten gefallen.
Richtig los ging es dann am Mittwoch mit der sogenannten Practice Session. Während dieser hatten wir zwei Stunden Zeit, um wie später im Wettbewerb Aufgaben zu lösen. Das Hauptaugenmerk lag dabei jedoch nicht darauf, möglichst viele Punkte zu holen, sondern darauf, die ganze Technik auszutesten und sich mit der Umgebung vertraut zu machen, damit während des Wettbewerbs möglichst alles glatt läuft. Offiziell eröffnet wurde die EGOI am Nachmittag während der Opening Ceremony. Diese bestand aus Reden, inspirierenden Geschichten, beeindruckenden Turnperformances und wie jedes Jahr auch aus der Begrüßung der teilnehmenden Teams.
Am Donnerstag wurde es dann ernst: Der erste Contest stand an. Von neun bis 14 Uhr haben wir uns mit Riesenrädern, italienischen Pizzabäckerinnen, Keksen und Geheimorganisationen beschäftigt und versucht Programme zu schreiben, die knifflige Aufgaben möglichst effizient lösen. Wenn man konzentriert arbeitet, vergehen die fünf Stunden wie im Flug und sobald der Contest zu Ende war, haben wir uns gegenseitig gesucht und dann versucht eine Person mit Handy aufzutreiben, die uns die Ergebnisse zeigen konnte. Der erste Wettbewerb lief für das gesamte deutsche Team sehr gut und wir konnten den Nachmittag nutzen, um uns ein bisschen von dem anstrengenden Vormittag zu erholen. Da das Wetter endlich etwas freundlicher wurde, haben wir uns zum ersten Mal ins Meer getraut und sind ein bisschen geschwommen. Danach standen noch Angeboten von den Sponsoren der EGOI auf dem Programm und wir haben Mocktails getrunken, bei einem Quiz mitgemacht und uns mit vielen verschiedenen Personen unterhalten.

Der Freitag war vermutlich nicht nur für mich eines der Highlights der EGOI, da der Tag komplett von einer Exkursion nach San Marino eingenommen wurde. Der Stadtstaat liegt nicht weit weg von Cesenatico und gilt als die älteste Republik der Welt. Unser Tag dort startete mit einer fantastischen Aussicht, da der Kern von San Marino auf einem Berg liegt und anschließend ging es für unser Team mit einer Stadtführung zu den wichtigsten Orten in San Marino los. Wir haben einiges über die Geschichte, Politik und besonderen Bräuche von San Marino gehört. Unser Tour-Guide war ein sehr netter Mann, der demnächst Präsident werden möchte, weil ihn dann alle wegen eines alten Gesetzes mit „Eure Exzellenz“ ansprechen müssen. Am Nachmittag hatten wir noch Zeit, um auf eigene Faust das Stadtzentrum und die drei Wachtürme von San Marino zu erkunden. Leider hat das Wetter nicht ganz mitgespielt und es hat den ganzen Nachmittag über geregnet, weshalb wir dann doch ganz froh waren, als es wieder zurück ging und wir uns in den warmen Bus setzen konnten.
Das Frühstück am nächsten Morgen fand in angespannter Atmosphäre statt, denn es stand der zweite Contest an. Pünktlich um 8.30 Uhr sind wir am Hotel losgelaufen, haben alle verbotenen Gegenstände abgegeben und uns an unsere Plätze gesetzt, sodass wir pünktlich mit dem Wettbewerb starten konnten. Fünf Stunden später war es dann auch schon vorbei. Mein gesamtes Team war nicht so richtig zufrieden damit, wie der Contest lief, aber zum Glück haben sich unsere Plätze nicht wesentlich verschlechtert und wir befanden uns alle noch in den Medaillenrängen, zu denen die besten 50% gehören. Ich selbst konnte mir den 37ten Platz sichern und habe dadurch eine Silbermedaille erreicht. Feiern konnten wir unsere Erfolge während der Game Night, die von einem der Sponsoren ausgerichtet wurde. Es gab ein exquisites Abendessen und jede Menge Angebote, um miteinander Spaß zu haben. Wir haben geometrische Figuren gebaut, gerätselt und diesen wunderbaren Abend genossen. Da die eigentlichen Wettbewerbe vorbei waren bestand auch kein Grund mehr, genug zu schlafen und dementsprechend kurz wurde die Nacht.
Trotzdem sind wir gut gelaunt in den letzten vollen Tag der EGOI gestartet, der mit der Closing Ceremony begann. Im Theater eines Freizeitparks wurden Reden gehalten, Fotos gezeigt und am Schluss die Medaillen vergeben. Es herrschte eine angenehme Stimmung, die immer wieder durch Quizfragen und Referenzen zu den Aufgaben des Wettbewerbs aufgelockert wurde. Den Nachmittag durften wir dann im Freizeitpark verbringen und hatten dabei unglaublich viel Spaß. Mit einer internationalen Gruppe haben wir uns bei einer Achterbahn nach der anderen angestellt und während des Wartens immer wieder Kartenspiele gespielt. Die Zeit ging viel zu schnell rum und gegen Abend ging es zurück zum Hotel, nur damit wir gleich wieder zum letzten Programmpunkt aufbrechen konnten: der Abschlussparty. Draußen sitzend haben wir gegessen, gelacht, geredet und getanzt. Letzteres nicht nur zu Partymusik, denn vorher wurde allen die wollten noch ein Paartanz beigebracht, den wir mit einer riesigen Gruppe ausprobiert haben. Auch wenn der Großteil den Tanz gerade erst gelernt hatte und es dementsprechend schlecht geklappt hat, hatten wir viel Spaß und es herrschte eine gelöste Atmosphäre. Den Abend haben wir anschließend noch im Hotel mit Gesellschaftspielen und Gesprächen ausklingen lassen.
Am Montag mussten wir uns deutlich zu früh schon wieder auf den Weg zum Flughafen machen und haben dort erstmal gefrühstückt. Während der Rest meines Teams sich dann wieder auf den Heimweg gemacht hat, durfte ich mich direkt ins nächste Abenteuer stürzen: die Studienfahrt der J1.
Die EGOI war unglaublich toll und auch wenn ich glaube, dass es schwer in Worte zu fassen ist, was die EGOI ausmacht und was sie für mich bedeutet, trifft ein Wort es wohl ganz gut: Leidenschaft. Die Leidenschaft für Informatik ist das, was uns bei der EGOI alle verbindet und was dieses Event so besonders macht. Während der EGOI habe ich viele besondere, nette Menschen kennengelernt, die aus unterschiedlichsten Ländern der Welt kommen. Ich habe gemerkt, dass wir alle gar nicht so verschieden sind und dass ich mit meiner Vorliebe für Programmieren nicht alleine bin.
Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und möchte mich daher bei allen bedanken, die möglich gemacht haben, dass ich bei der EGOI dabei sein konnte. Das sind super viele Menschen, aber ich möchte ein paar nochmal hervorheben. Zuallererst sind das unsere Trainerinnen, die uns nicht nur während der EGOI begleitet haben, sondern auch auf dem ganzen Weg dahin. Außerdem möchte ich mich besonders bei den Bundesweiten Informatik Wettbewerben bedanken, die uns während der Vorbereitungen für den Wettbewerb immer wieder finanziell und organisatorisch unterstützt haben. Zuletzt geht noch ein riesiges Dankeschön an alle Organisatoren und Organisatorinnen der EGOI. Hinter so einer Veranstaltung steht ein riesiges Team und ohne diese Personen wäre die EGOI nicht möglich gewesen.
Text: Martha Krebbel (J1)
Bild: BWInf

