Der 27. Januar ist der offizielle Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und des Holocausts. Auch die Stolpersteine in Sindelfingen erinnern an diese Menschen. Die goldfarbenen Pflastersteine, in die Namen sowie Angaben zu Verhaftung und Tod der Opfer eingraviert sind, befinden sich jeweils vor den Häusern, in denen die Betroffenen zuletzt lebten. Das Stiftsgymnasium hat die Patenschaft für zwei dieser Stolpersteine übernommen.
Anlässlich dieses Gedenktags besuchte die Klasse 10c gemeinsam mit Herrn Tekin die beiden Stolpersteine. Wir reinigten die Gedenksteine, legten Rosen nieder und entzündeten Kerzen. Adel Balint (10c) berichtete jeweils kurz über das Leben der Menschen, denen die Stolpersteine gewidmet sind.



So erfuhren wir, dass Karl Keinath sich nach der Machtübernahme Hitlers versteckt halten musste. Dennoch nahm er an einem geheimen politischen Treffen teil, bei dem die Gruppe verraten wurde. Aufgrund seines politischen Widerstands wurde er wegen Hochverrats 1935 verhaftet und am 18.04.1942 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Sein Stolperstein befindet sich in der Bahnhofsstraße, nicht weit von unserer Schule entfernt.



Ein ähnliches Schicksal ereilte Wilhelm Brendle. Auch er wurde aufgrund politischen Widerstands verfolgt, von seinem Nachbarn verraten und bereits 1933 verhaftet. Er hatte ebenfalls an dem geheimen Treffen teilgenommen, weshalb die Nationalsozialisten ihn inhaftierten. Er starb am 25.01.1940 im Konzentrationslager Mauthausen. Als Todesursache wurde eine Krankheit mit längerer ärztlicher Behandlung angegeben. Doch nur wenige Wochen vor seinem Tod schrieb er einen Brief an seine Frau, in dem er erwähnte, dass es ihm gut gehe. Diese Angabe lässt die offizielle Begründung stark anzweifeln. Sein Stolperstein befindet sich in der Uhlandstraße.
Die Stolpersteine erinnern uns an das Geschehen vor rund 80 Jahren. Viele Menschen verloren ihr Leben aufgrund ihrer Religion, ihrer politischen Überzeugung oder weil sie wegen körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen verfolgt wurden. Heute sind Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Menschenrechte fest verankert – Rechte, die niemandem genommen werden dürfen. Dennoch gedenken wir einer Zeit, in der Millionen von Menschen sterben mussten und Unschuldige grausam behandelt wurden.
Text: Helen Gehrig und Mareike Moroff (Klasse 10c)
Bilder: Deniz Tekin

