Zwischen Wettbewerbsdruck und neuen Freundschaften – Die Endrunde des 44. Bundeswettbewerbs Informatik

4. Oktober 2026

Unter einem Informatiker stellt man sich oft einen Einzelgänger vor, der seine Freizeit in einem dunklen Raum vor einem Computerbildschirm verbringt. Dass das nur in Ausnahmefällen der Fall ist, zeigt unter anderem die Endrunde des Bundeswettbewerbs Informatik (Bwinf). Gearbeitet wird hier nicht allein am Computer, sondern mit Stift und Papier und in Gruppen. Es werden gemeinsam Probleme analysiert und Lösungsstrategien entwickelt. Die diesjährige Endrunde des 44. Bwinfs fand vom 15. bis zum 18. September 2026 in Bochum statt und wurde an Ruhr Universität Bochum ausgetragen.

Um zu den 28 Finalist*innen zu gehören, die zur Endrunde eingeladen wurden, musste man schon vorher in der 1. und 2. Runde des Wettbewerbs gut abschneiden. Während an der ersten Runde noch gut 1600 Schüler*innen teilgenommen haben, waren es in der zweiten Runde nur noch einige hundert. Hier ging es darum, komplexe Informatikaufgaben über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg zu lösen und den Lösungsweg zu dokumentieren.

Nach der Anreise am Dienstag begann die Endrunde damit, dass bei einem Abendessen an der Universität alle Anwesenden begrüßt wurden. Neben den Teilnehmenden waren auch einige begleitende Lehrkräfte sowie die Organisatoren und natürlich die Jury, bestehend aus Informatikprofessoren und Professorinnen, anwesend.

Der eigentliche Wettbewerb wurde dann an den zwei folgenden Tagen ausgetragen. Die beiden Wettbewerbstage waren sehr ähnlich aufgebaut und begannen für jeden von uns mit zwei Einzelgesprächen mit jeweils einem Jurymitglied. Vor dem ersten Einzelgespräch war ich extrem nervös und wusste überhaupt nicht, was mich erwartet, aber sobald wir angefangen haben zu reden und in die Welt der Entscheidungsbäume, geometrischen Algorithmen und formalen Sprachen eingetaucht sind, wurde ich schnell sicherer. Nach den Gesprächen ging es direkt mit der Gruppenarbeit weiter. In Gruppen von jeweils vier Personen, hatten wir etwa vier Stunden Zeit, um einige Aufgaben zu einem bestimmten Thema zu bearbeiten. Dabei ging es nicht darum zu programmieren, sondern verschiedene Theorien zu beweisen, Lösungsstrategien zu entwickeln und diese zu analysieren. Während der vier Stunden haben wir sehr oft diskutiert und hatten häufig unterschiedliche Meinungen dazu, wie man ein Problem angehen sollte. Gleichzeitig hatten wir auch ziemlich viel Spaß, da wir mit anderen diskutieren konnten, die sehr viel über Informatik wissen. In der Gruppe sind wir schnell vorangekommen und haben deutlich bessere Lösungen entwickelt, als ich alleine je geschafft hätte. Die Wettbewerbstage endeten dann jeweils mit der Präsentation unserer Ergebnisse. Gemeinsam als Gruppe haben wir unsere Ideen vorgestellt und uns den Fragen des Publikums und der Jury gestellt. Auf der einen Seite war es dabei recht anstrengend sich sieben Mal die oft ähnlichen Ergebnisse zu den gleichen Aufgaben erklären zu lassen, zu Mal es bei den Präsentationen auch schon recht spät war. Andererseits war es aber auch spannend den Gruppen zuzuhören, die anders an bestimmte Aufgaben herangegangen sind oder etwas entdeckt haben, was der Rest übersehen hat.

An den Abenden nach den Wettbewerbstagen hatten wir noch Gelegenheit, Einblicke in die IT-Branche zu bekommen. So wurden wir zunächst vom Bochumer Unternehmen G Data zum Abendessen eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltung haben wir natürlich auch einiges über die Firma und Cybersecurity im Allgemeinen gelernt. Außerdem waren wir an einem Abend beim ZESS, einer Forschungseinrichtung der Universität, die sich viel mit Robotik auseinandersetzt. Wir haben von einigen Start-Ups gehört, die am ZESS arbeiten und wurden zum Schluss noch durch das Gebäude geführt. Dabei wurden auch einige Entwicklungen, wie zum Beispiel eine autonome Drohne vorgeführt.

Am Freitag fand dann die Siegerehrung statt, zu der auch Angehörige der Teilnehmenden eingeladen waren. Obwohl wir es kaum erwarten konnten, die Ergebnisse zu erfahren, wurden zunächst noch einige Reden und ein Fachvortrag gehalten. Anschließend wurden alle Teilnahmeurkunden vergeben und dann wurde es richtig spannend: Die sechs Bundessieger wurden einzeln aufgerufen, die Person mit der besten Gesamtleistung wurde bekannt gegeben und sechs weitere Preisträger und einige Gewinner von Sonderpreisen wurden geehrt. Ich selbst war sehr überrascht und überglücklich, als ich mit den Worten „Die Klaviatur der Informatik spiele sie fünf Sätze lang – Aufschlag, Satz und Bundessieg gehen an Martha Krebbel“ als Bundessiegerin aufgerufen wurde.

Nach der eigentlichen Preisverleihung konnten wir den Wettbewerb noch mit dem Mittagessen ausklingen lassen. Es wurden viele Fotos gemacht, noch mehr Hände geschüttelt und viel geredet und gelacht. Nach und nach haben wir uns dann voneinander verabschiedet und die Heimreise angetreten.

Obwohl die zwei Wettbewerbstage extrem anstrengend waren, war die Endrunde auch eine wirklich tolle Erfahrung. Ich habe sehr viele engagierte und motivierte Leute kennengelernt, konnte während der Gruppenarbeiten mit ihnen zusammenarbeiten und von ihnen lernen. Ich möchte mich von ganzem Herzen bei allen bedanken, die uns diese Erfahrung ermöglicht haben. Das wäre zunächst das Team von den Bundesweiten Informatikwettbewerben, die nicht nur an der Endrunde beteiligt waren, sondern auch die ersten beiden Runden organisiert haben und den Bwinf seit Jahren am Laufen halten. Außerdem hat auch die Ruhr Universität Bochum sehr viel zu dem Wettbewerb beigetragen und sowohl bei der Organisation geholfen als auch die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Nur durch das Engagement der zahlreichen Menschen, die sich an der Organisation der Endrunde beteiligt haben oder Teil der Jury waren, wurde dieser Wettbewerb möglich. Auch bei den vielen Gruppen, die diese Veranstaltung finanziell gefördert haben, möchte ich mich bedanken.

Zuletzt geht noch ein riesiges Dankeschön an Herr Theuer, der mich nicht nur bei der Endrunde begleitet hat, sondern mich auch auf dem ganzen Weg dorthin tatkräftig unterstützt hat. Ohne Ihr Engagement wäre ich vielleicht nie auf den Wettbewerb gestoßen, geschweige denn so weit gekommen!

Text: Martha Krebbel (J2)

Bild: Bundeswettbewerb Informatik

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