Foxfinder: Eine eindringliche Theatererfahrung, die zur Demokratiebildung beiträgt

21. Mai 2023

Text: David Zirakadze (Klasse 10c)

Bilder: Siglinde Berenbold

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts am Montag, den 17.04.2023, hat Frau Berenbold eine Theateraufführung bei der Württembergischen Landesbühne Esslingen für die vier zehnten Klassen des Stiftsgymnasiums arrangiert. Ihrer Meinung leistet das Stück einen Beitrag zu der in der Schule so wichtigen Demokratiebildung.
Das preisgekrönte Theaterstück der britischen Dramaturgin Dawn King Foxfinder wird als eine Parabel beschrieben, welche das Thema des Fundamentalismus vorstellt.


Es zeichnet sich dadurch aus, dass die im Theaterstück vertretene Kritik am autoritären, sowie totalitären Regime und willkürlicher Ideologie immer wieder den Nerv der Zeit trifft. Ob im Dritten Reich; oder auch heute in einigen Staaten – immer wieder kommt es zu aufgezwungenen Weltanschauungen durch Propaganda und Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Menschenrechte. Dies denkt auch Florent aus der 10b: „Mich hat die verschlüsselte Botschaft fasziniert, da diese auch heute sehr aktuell ist.“ Den geschichtlichen Aspekt bemerkte auch Neele aus der 10d: „Das Theaterstück ist mir sehr positiv in Erinnerung geblieben, da die Propaganda des Instituts der Foxfinder von den Schauspielern überzeugend dargestellt wurde“.


Verschwörungserzählungen sind heute so präsent wie lange nicht mehr. Gerade das Corona-Virus hat vielen den Weg zu öffentlicher Aufmerksamkeit geebnet, aber auch neue hervorgebracht. Auch wenn sie lächerlich scheinen mögen, ist die Gefahr solcher Narrative enorm. Unbeabsichtigt schaffte es Dawn King, die Situation in der Pandemie abzubilden.


Zuerst bekamen wie eine Einführung zum Stück. Da diese aber nur die Handlung des Stücks beschrieb und einen Teil aus der Biografie der Autorin vorstellte, findet eine Zehntklässlerin: „Die Einführung hat mir zu viel des Stücks vorausgenommen.“ Dem stimmt Lukas aus der 10c zu: „”Die Vorbesprechung war für mich nicht von Nöten und hat meiner Meinung nach nicht zu einem besseren Verständnis des Stücks geführt. Die Aufführung hingegen war sehr beeindruckend. Gefallen hat mir, mit welchem Enthusiasmus die Schauspieler agierten und wie diese das doch eher kahle Bühnenbild ausfüllten.“


Das Theaterstück spiele in England, in einer „rückwärtsgewandten Zukunft“, wie es im Flyer heißt. Dort hatten sich Missstände gehäuft, schlechte Ernten bedrohen nun die Bevölkerung. Die Regierung verbreitet die Theorie, die hinterlistigen Füchse seien der Grund für die Unglücksfälle. Ein Bauernhof, welcher von schlechtem Ertrag betroffen ist, wird von einem speziell ausgebildeten Foxfinder besucht, welcher untersuchen soll, ob der Hof mit Füchsen „verseucht“ ist. Das Misstrauen des Bauern und seiner Frau sind anfangs groß, doch es gibt Anzeichen: Der vierjährige Sohn starb vor einiger Zeit, was nie einfach so passiert wäre, ein Hasenkadaver zeigt in eine bestimmte Richtung und Wolle am Zaun soll Buchstaben darstellen. Diese Hinweise deuten eindeutig auf Füchse hin. Der Bauer findet einen Weg, seine Schuldgefühle in dieser Theorie zu verarbeiten und ist überzeugt, die Füchse zu finden, während seine Frau kritisch dem gegenübersteht.


Diese Lage entwickelt sich weiter, bis der Bauer, mittlerweile von diesem völlig irrationalen Vermutungen überzeugt, den Foxfinder erwischt, wie er seine Frau belästigt. Er erschießt ihn und meint, er habe endlich einen als Menschen getarnten Fuchs erwischt.


Benita und Carina aus der 10a waren positiv vom Stück überrascht: „Wir fanden die schauspielerische Leistung hervorragend. Die Fähigkeit der vier Schauspieler, das Stück zu füllen, Emotionen authentisch darzustellen und uns als Zuschauerinnen zu bewegen, war super. Der Anfang des Stücks hat sich ein bisschen gezogen, ab dem Höhepunkt haben sich aber alle Unklarheiten erschlossen und zu einem zum Nachdenken anregenden und prägenden Ende geführt.“


Zwei weitere Zehntklässlerinnen meinen: „Der Fuchs was sehr treffend als Ursache des Übels ausgewählt, da er schon in Fabeln und Kinderliedern als hinterhältiges Wesen bekannt ist. Dies sind ebenso Eigenschaften, die den Juden im Dritten Reich angedichtet wurden. Das Bühnenbild sowie die Sound- und Lichteffekte waren großartig.“
Bei der Nachbesprechung im Unterricht ging es um Themen wie den Überwachungsstaat oder Demokratieabbau, der die diesjährigen Schwerpunktthemen des Geschichtsunterrichts durchzieht. Thematisiert wurde zudem die Übertragbarkeit des Stücks auf frühere Epochen, in denen Pest, religiöser Fanatismus oder Hexenwahn grassierten. Weitere Anknüpfungspunkte waren die Funktion von Feindbildern sowie die Suche nach Sündenböcken.

Der Ausflug war für alle ein spannendes Erlebnis. Wir möchten unseren Dank an die Württembergische Landesbühne Esslingen aussprechen, die es uns ermöglicht hat, kostenlos an dieser herausragenden Inszenierung teilzunehmen.

Danke auch an Frau Berenbold und die begleitenden Lehrkräfte!

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